Die Lohn- und Gehaltsabrechnung ist der monatliche Beleg, mit dem Arbeitgeber transparent darstellen, wie sich das Entgelt einer beschäftigten Person zusammensetzt. Sie weist Bruttobezüge, gesetzliche Abzüge und den auszuzahlenden Nettobetrag aus.
Für Unternehmen wiederholt sich jeden Monat derselbe Prozess: Arbeitszeiten, Steuermerkmale, Sozialversicherungsbeiträge, Zuschläge und weitere Vergütungsbestandteile müssen korrekt, pünktlich und rechtssicher verarbeitet werden. Ein einziger Fehler kann dabei schnell zu Rückfragen von Mitarbeitenden, Problemen mit Behörden oder Beanstandungen bei einer Betriebsprüfung führen.
Dieser Artikel erklärt, welche Angaben eine Lohn- und Gehaltsabrechnung enthalten muss, wie sie aufgebaut ist, wie Unternehmen sie erstellen und welche Aufbewahrungsfristen gelten. Außerdem erfahren Sie, wie Finanz- und Personalteams den Abrechnungsprozess effizienter gestalten können.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Lohn- oder Gehaltsabrechnung schlüsselt Bruttobezüge, Steuern, Sozialversicherungsbeiträge und den ausgezahlten Nettobetrag auf.
- Die Pflichtangaben sind in Deutschland insbesondere in Paragraph 108 der Gewerbeordnung (GewO) geregelt.
- Der Unterschied zwischen Lohn und Gehalt liegt vor allem in der Vergütungsbasis: Lohn wird meist nach geleisteten Arbeitsstunden berechnet, Gehalt als feste monatliche Summe gezahlt.
- Arbeitgeber müssen Lohn- und Gehaltsabrechnungen grundsätzlich mindestens sechs Jahre aufbewahren. Als Buchungsbelege kann eine Aufbewahrungsfrist von acht Jahren gelten.
- Die Abrechnung kann intern, durch eine Steuerberatungskanzlei oder durch einen spezialisierten Lohnabrechnungsdienstleister erstellt werden. Für die Richtigkeit bleibt jedoch immer der Arbeitgeber verantwortlich.
Die Lohn- und Gehaltsabrechnung einfach erklärt
Eine Lohn- oder Gehaltsabrechnung ist ein Dokument, das Arbeitgeber ihren Beschäftigten in der Regel monatlich zur Verfügung stellen. Sie zeigt detailliert, wie sich das monatliche Einkommen zusammensetzt.
Dazu gehören beispielsweise:
Grundgehalt oder Grundlohn
Überstundenvergütungen
Zuschläge und Zulagen
Boni und Sonderzahlungen
Sachbezüge
gesetzliche Abzüge
weitere Abzüge, etwa Vorschüsse oder Pfändungen
der endgültige Nettobetrag
Der Nettobetrag entspricht der Summe, die nach Abzug von Steuern, Sozialversicherungsbeiträgen und weiteren Positionen tatsächlich ausgezahlt wird.
Für Beschäftigte dient die Abrechnung unter anderem als Einkommensnachweis, etwa bei der Wohnungssuche, bei Kreditanträgen oder für die Steuererklärung. Für Arbeitgeber ist sie ein gesetzlich vorgeschriebener Nachweis über die Zusammensetzung des Arbeitsentgelts.
Diese Pflichtangaben gehören auf jede Abrechnung
Der Inhalt einer Lohn- und Gehaltsabrechnung ist in Deutschland gesetzlich geregelt. Nach Paragraph 108 GewO muss die Abrechnung mindestens Angaben zum Abrechnungszeitraum und zur Zusammensetzung des Arbeitsentgelts enthalten.
Das Gesetz verlangt insbesondere Informationen über:
die Art und Höhe von Zuschlägen und Zulagen
sonstige Vergütungen
die Art und Höhe der Abzüge
Abschlagszahlungen
Vorschüsse
In der Praxis enthält eine vollständige Abrechnung meist die folgenden Angaben.
Persönliche Daten
Name und Anschrift der beschäftigten Person
Steuer-ID
Steuerklasse und gegebenenfalls weitere Steuermerkmale
Sozialversicherungsnummer
Name und Anschrift des Arbeitgebers
gegebenenfalls Personalnummer
Abrechnungszeitraum
Der Abrechnungszeitraum umfasst üblicherweise einen Kalendermonat. Auf der Abrechnung sollte eindeutig erkennbar sein, für welchen Zeitraum das Arbeitsentgelt berechnet wurde.
Bruttobezüge
Zu den Bruttobezügen gehören alle Vergütungsbestandteile vor Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen. Dazu zählen beispielsweise:
Grundgehalt oder Grundlohn
Vergütung für Überstunden
Nacht-, Sonn- und Feiertagszuschläge
Schichtzulagen
Boni und Provisionen
Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld
Sachbezüge
sonstige Einmalzahlungen
Gesetzliche Abzüge
Auf der Abrechnung müssen die einzelnen Abzüge nach Art und Höhe ausgewiesen werden. Dazu gehören insbesondere:
Lohnsteuer
gegebenenfalls Kirchensteuer
gegebenenfalls Solidaritätszuschlag
Arbeitnehmeranteil zur Krankenversicherung
Arbeitnehmeranteil zur Pflegeversicherung
Arbeitnehmeranteil zur Rentenversicherung
Arbeitnehmeranteil zur Arbeitslosenversicherung
Nettobetrag
Der Nettobetrag zeigt, welcher Betrag nach allen Abzügen zur Auszahlung kommt. Zusätzlich können Bankverbindung, Auszahlungstag oder der tatsächlich überwiesene Betrag angegeben werden.
Weitere Angaben
Je nach Unternehmen und Abrechnungssystem können außerdem folgende Informationen enthalten sein:
Abschlagszahlungen
Vorschüsse
Pfändungen
vermögenswirksame Leistungen
Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge
Urlaubsanspruch und genommene Urlaubstage
Krankheitstage
jahres kumulierte Werte, etwa Gesamtbrutto und bisher abgeführte Steuern
So erstellen Arbeitgeber eine Lohn- und Gehaltsabrechnung
Lohn- und Gehaltsabrechnungen werden heute in der Regel mit spezieller Lohnabrechnungssoftware erstellt. Solche Systeme automatisieren viele Berechnungsschritte und unterstützen Unternehmen bei Meldungen an Behörden und Sozialversicherungsträger.
Die manuelle Erstellung mit Tabellenkalkulationen ist dagegen fehleranfällig und wird insbesondere bei wachsenden Unternehmen zunehmend unpraktisch.
So sieht der typische Ablauf aus:
Schritt 1: Erfassung der Mitarbeiterdaten
Zunächst werden alle relevanten Stammdaten der Beschäftigten im Abrechnungssystem hinterlegt. Dazu zählen unter anderem:
Name und Anschrift
Steuer-ID und Steuerklasse
Sozialversicherungsnummer
Eintrittsdatum
Gehalt oder Stundenlohn
Arbeitszeitmodell
Krankenkasse
Zulagen und regelmäßige Zuschläge
mögliche Abzüge oder Pfändungen
Ändern sich persönliche oder vertragliche Daten, müssen diese rechtzeitig im System aktualisiert werden.
Schritt 2: Arbeitszeiten und Abwesenheiten erfassen
Für jede Abrechnungsperiode werden die relevanten Arbeits- und Abwesenheitsdaten erfasst. Dazu gehören beispielsweise:
geleistete Arbeitsstunden
Überstunden
Urlaubstage
Krankheitstage
Elternzeit
unbezahlte Abwesenheiten
Zuschläge für Nacht-, Sonn- oder Feiertagsarbeit
Bei Beschäftigten mit einem festen Monatsgehalt entfällt die Abrechnung der regulären Arbeitsstunden teilweise. Variable Bestandteile und Abwesenheiten müssen jedoch auch hier berücksichtigt werden.
Schritt 3: Bruttoentgelt berechnen
Auf Grundlage der hinterlegten Daten berechnet das System das Bruttoentgelt. Dabei werden das Grundgehalt beziehungsweise der Grundlohn sowie variable Vergütungsbestandteile berücksichtigt.
Je nach Beschäftigungsverhältnis können zusätzlich Boni, Provisionen, Zuschläge, Einmalzahlungen oder Sachbezüge einfließen.
Schritt 4: Abzüge berechnen
Anschließend berechnet die Software die gesetzlichen Abzüge. Dazu zählen insbesondere:
Lohnsteuer
Kirchensteuer
Solidaritätszuschlag
Krankenversicherung
Pflegeversicherung
Rentenversicherung
Arbeitslosenversicherung
Die Höhe der Abzüge hängt unter anderem von der Steuerklasse, dem Einkommen, der Krankenkasse und weiteren persönlichen Merkmalen ab.
Schritt 5: Abrechnung erstellen und bereitstellen
Das System erstellt eine detaillierte Abrechnung mit allen Brutto- und Nettobestandteilen. Arbeitgeber stellen sie ihren Beschäftigten entweder in Papierform oder elektronisch zur Verfügung.
Bei einer digitalen Bereitstellung sollte sichergestellt sein, dass nur berechtigte Personen Zugriff auf die sensiblen Gehaltsdaten haben.
Schritt 6: Meldungen und Zahlungen veranlassen
Zum Abschluss unterstützt die Lohnabrechnungssoftware bei der Erstellung und Übermittlung notwendiger Meldungen an:
Finanzbehörden
Krankenkassen
Sozialversicherungsträger
weitere zuständige Stellen
Zusätzlich werden die Nettogehälter an die Beschäftigten sowie die einbehaltenen Steuern und Sozialversicherungsbeiträge an die zuständigen Stellen überwiesen.
Lohn und Gehalt unterscheiden sich in der Vergütungsbasis
Die Begriffe Lohn und Gehalt werden im Alltag häufig synonym verwendet. Der wesentliche Unterschied liegt jedoch in der Berechnung der Vergütung.
Merkmal | Lohnabrechnung | Gehaltsabrechnung |
Vergütungsbasis | Geleistete Arbeitsstunden | Festgelegte monatliche Summe |
Monatliche Höhe | Kann je nach Arbeitszeit variieren | Bleibt in der Regel konstant |
Berechnung | Stundenlohn multipliziert mit den geleisteten Stunden | Festes Monatsgehalt, ergänzt um variable Bestandteile |
Typische Anwendung | Produktion, Handwerk und bestimmte Dienstleistungsbereiche | Verwaltung, Management und Fachdienstleistungen |
Die Abgrenzung ist in der Praxis nicht immer eindeutig. Auch Angestellte können auf Stundenbasis bezahlt werden, während manche gewerblichen Beschäftigten ein festes Monatsentgelt erhalten.
Die Struktur der Abrechnung ist in beiden Fällen ähnlich. Sie enthält jeweils die Bruttobezüge, die Abzüge und den auszuzahlenden Nettobetrag. Der wichtigste Unterschied liegt in der Berechnung des Grundlohns beziehungsweise Grundgehalts.
Der Aufbau einer Abrechnung folgt einer festen Reihenfolge
Der genaue Aufbau und die Reihenfolge einzelner Positionen können je nach Abrechnungssystem variieren. Inhaltlich orientieren sich Unternehmen jedoch meist an einer festen Struktur.
1. Angaben zur beschäftigten Person und zum Arbeitgeber
Am Anfang der Abrechnung stehen die persönlichen und organisatorischen Daten:
Name und Adresse der beschäftigten Person
Steuer-ID und Steuerklasse
Sozialversicherungsnummer
Personalnummer
Name und Adresse des Arbeitgebers
2. Abrechnungszeitraum
Anschließend wird angegeben, auf welchen Zeitraum sich die Abrechnung bezieht. Üblicherweise handelt es sich um einen Kalendermonat.
3. Bruttogehalt oder Bruttolohn
In diesem Abschnitt werden alle Vergütungsbestandteile vor Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen aufgeführt:
Grundgehalt oder Grundlohn
Überstunden
Boni
Provisionen
Zuschläge und Zulagen
Sachbezüge
Einmalzahlungen
4. Abzüge
Danach werden die gesetzlichen und gegebenenfalls individuellen Abzüge aufgeschlüsselt:
Lohnsteuer
Kirchensteuer
Solidaritätszuschlag
Krankenversicherung
Pflegeversicherung
Rentenversicherung
Arbeitslosenversicherung
Pfändungen oder Vorschüsse
5. Nettogehalt oder Nettolohn
Der Nettobetrag zeigt, welcher Betrag tatsächlich ausgezahlt wird.
6. Weitere Informationen
Je nach Abrechnung können zusätzliche Angaben enthalten sein, etwa:
Jahreswerte
Urlaubstage
Krankheitstage
betriebliche Altersvorsorge
vermögenswirksame Leistungen
Arbeitgeberzuschüsse
Kostenstellen oder Abteilungszuordnungen
Lohn- und Gehaltsabrechnungen müssen mindestens sechs Jahre archiviert werden
Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, Lohnunterlagen aufzubewahren. Das Lohnkonto und die dazugehörigen Lohn- und Gehaltsabrechnungen müssen grundsätzlich sechs Jahre archiviert werden, sofern sich die Aufbewahrungspflicht aus Paragraph 41 Abs. 1 EStG ergibt.
Die Frist beginnt am 1. Januar des Jahres, das auf die letzte eingetragene Entgeltzahlung folgt. Sie endet sechs Jahre später zum 31. Dezember.
Sind die Unterlagen zugleich als Buchungsbelege für die betriebliche Gewinnermittlung relevant, kann sich die Aufbewahrungsfrist auf acht Jahre verlängern. Grundlage ist Paragraph 147 Abs. 3 AO.
Anforderungen an digitale Archive
Digital archivierte Abrechnungen müssen GoBD-konform aufbewahrt werden. Das bedeutet insbesondere, dass die Dokumente:
unveränderbar
nachvollziehbar
vollständig
jederzeit lesbar
ordnungsgemäß auffindbar
sein müssen.
Beschäftigte selbst unterliegen grundsätzlich keiner gesetzlichen Aufbewahrungspflicht. Trotzdem ist es sinnvoll, Gehaltsabrechnungen langfristig aufzubewahren, idealerweise bis zum Rentenbeginn. Sie können später als Einkommensnachweis dienen oder bei der Klärung von Rentenansprüchen hilfreich sein.
So optimieren Finanzteams die Lohn- und Gehaltsabrechnung
Für eine korrekte Lohn- und Gehaltsabrechnung müssen Daten aus mehreren Systemen zusammengeführt werden. Dazu gehören unter anderem Personalverwaltung, Zeiterfassung, Buchhaltung und Ausgabenmanagement.
Finanz- und Personalteams können den Prozess mit den folgenden Maßnahmen effizienter gestalten.
Personal- und Zeiterfassungssysteme integrieren
Eine Anbindung an die HR-Software reduziert manuelle Übertragungen und stellt sicher, dass Änderungen bei Gehältern, Arbeitszeiten oder Abwesenheiten rechtzeitig in der Abrechnung berücksichtigt werden.
Mitarbeiterausgaben automatisiert übertragen
Auch Daten aus Programmen für das Ausgabenmanagement können für die Lohn- und Gehaltsabrechnung relevant sein. Dazu gehören beispielsweise:
Reisekosten
Auslagen
Spesen
steuerfreie Zuschüsse
sonstige erstattungsfähige Mitarbeiterausgaben
Solche Auslagen müssen häufig über die Gehaltsabrechnung erstattet oder steuerlich berücksichtigt werden.
Freigabeprozesse standardisieren
Digitale Freigabeworkflows stellen sicher, dass nur geprüfte und genehmigte Ausgaben in die Abrechnung einfließen. Dadurch lassen sich Rückfragen, Fehlbuchungen und nachträgliche Korrekturen reduzieren.
Daten für die Budgetplanung nutzen
Gehalts- und Personalkosten gehören zu den wichtigsten Kostenpositionen eines Unternehmens. Deshalb sollten die Daten aus der Lohn- und Gehaltsabrechnung auch in die Budgetplanung und Geschäftsplanung einfließen.
Ein integriertes digitales Buchhaltungs- und Datenmanagementsystem kann dabei helfen, Daten konsistent zu halten, manuelle Fehler zu vermeiden und den Zeitaufwand für die Verarbeitung zu reduzieren.
Mit den richtigen Finanztools erhalten Unternehmen eine bessere Übersicht über ihre Ausgaben, erfüllen gesetzliche Dokumentationspflichten leichter und entlasten Finanz- und Personalabteilungen. Eine engere Zusammenarbeit zwischen beiden Teams kann außerdem durch integrierte Prozesse zwischen HR und Finance unterstützt werden.
Fazit
Eine korrekte Lohn- und Gehaltsabrechnung muss transparent, vollständig und rechtssicher sein. Sie enthält mindestens den Abrechnungszeitraum, die Zusammensetzung des Arbeitsentgelts sowie die einzelnen Abzüge und Auszahlungen.
Für Arbeitgeber ist es besonders wichtig, aktuelle Mitarbeiter- und Arbeitszeitdaten zuverlässig zu verarbeiten, gesetzliche Vorgaben einzuhalten und die Unterlagen ordnungsgemäß zu archivieren. Digitale Lohnabrechnungssysteme können dabei helfen, Berechnungen zu automatisieren und Fehler zu reduzieren.
Auch Ausgabenmanagement spielt eine wichtige Rolle. Ein zentralisiertes System liefert geprüfte Ausgaben- und Belegdaten, die für die Erstattung von Mitarbeiterausgaben und die anschließende Verbuchung benötigt werden. Idealerweise sind diese Daten GoBD-konform aufbereitet und lassen sich direkt an Buchhaltungs- oder Lohnsysteme übertragen.
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