Rund 40.000 Steuerberatungskanzleien in Deutschland arbeiten mit DATEV, doch viele ihrer Mandanten laden Kontoauszüge noch jede Woche manuell herunter, konvertieren CSV- oder MT940-Dateien und importieren sie einzeln.
Der DATEV Kontoauszugsmanager (KAM), offiziell als RZ-Bankinfo-Verfahren bekannt, ersetzt diesen manuellen Ablauf durch einen automatisierten Abruf elektronischer Kontoauszüge direkt in die DATEV-Umgebung.
Dieser Artikel zeigt Schritt für Schritt, wie Finanzteams in kleinen und mittleren Unternehmen den KAM einrichten: von der Stammdatenpflege über die Teilnahmeerklärung bei der Bank bis zur ersten automatischen Buchung mit Buchungsvorschlägen.
Der Kontoauszugsmanager im Überblick
Der KAM ist ein Cloud-Service von DATEV, der elektronische Kontoauszüge automatisch aus dem Rechenzentrum der jeweiligen Bank abholt und in DATEV Rechnungswesen bereitstellt. Statt Kontoauszüge manuell als CSV oder MT940 herunterzuladen und zu importieren, übernimmt das RZ-Bankinfo-Verfahren den kompletten Datentransfer im Hintergrund.
Jeder Mandant kann den KAM nutzen, wenn dessen Steuerberatungskanzlei DATEV Rechnungswesen einsetzt. Die Kanzlei schaltet das Verfahren frei, der Mandant konfiguriert die Bankverbindungen und reicht die Teilnahmeerklärungen bei den jeweiligen Banken ein.
Danach landen die Umsätze automatisch im System. Der KAM unterstützt MT940 und das neuere camt.053-Format, das seit 2025 bei vielen Instituten zum Standard wird.
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Schritt 1: Kanzlei-Freischaltung und Stammdaten prüfen
Bevor der KAM funktioniert, muss die Steuerberatungskanzlei das RZ-Bankinfo-Verfahren für den jeweiligen Mandanten freigeschaltet haben. Ohne diese Freischaltung bleibt die Option in DATEV Rechnungswesen ausgegraut. Die offizielle DATEV-Dokumentation zum Service-Rechenzentrumsverfahren einrichten beschreibt den Freischaltungsprozess im Detail.
Klären Sie mit der Kanzlei vorab folgende Punkte: Mandantennummer, Wirtschaftsjahr und Kontenrahmen (SKR03 oder SKR04). Diese Werte müssen exakt mit der Kanzlei-Konfiguration übereinstimmen, sonst ordnet DATEV die abgerufenen Umsätze keinem Mandanten zu.
Der Kontenrahmen ist besonders kritisch: SKR03 arbeitet mit Prozessgliederung, SKR04 mit Abschlussgliederung. Ein nachträglicher Wechsel zieht erheblichen Anpassungsaufwand nach sich und macht bestehende Buchungsvorschläge und Regeln ungültig. Den Kontenrahmen sollte man daher verbindlich vor der KAM-Aktivierung festlegen.
Schritt 2: Bankverbindungen mit Sachkonto anlegen
Tragen Sie IBAN und BIC ein und ordnen Sie jeder Bankverbindung ein Sachkonto zu. Beim Geschäftskonto ist das typischerweise Konto 1200 (SKR03) oder 1800 (SKR04), beim Kreditkartenkonto ein separates Verrechnungskonto.
Ein häufiger Fehler: die falsche Sachkonto-Zuordnung. Wenn das Sachkonto nicht zum tatsächlichen Bankkonto passt, weist DATEV die Umsätze einem falschen Buchungskreis zu, und die Abstimmung am Monatsende wird aufwendig.
Wer mehrere Konten konfiguriert (Geschäftskonto, Kreditkartenkonto, Rücklagenkonto), richtet alle Bankverbindungen in einer Sitzung ein, um inkonsistente Zuordnungen zu vermeiden. Grundlagen der digitalen Buchhaltung helfen dabei, den Übergang von manuellen Prozessen zu verstehen.
Schritt 3: Teilnahmeerklärung bei der Bank einreichen
Nach der DATEV-seitigen Konfiguration reichen Sie bei jeder teilnehmenden Bank eine Teilnahmeerklärung ein. Dieses Formular autorisiert DATEV, elektronische Kontoauszüge direkt aus dem Bankrechenzentrum abzurufen. Sie benötigen eine separate Erklärung pro Bankverbindung. Die meisten Banken akzeptieren das Standard-DATEV-Formular, einige Institute verlangen eine eigene Version.
Die Bearbeitungszeit variiert je nach Kreditinstitut zwischen zwei und sechs Wochen. Laut der veröffentlichten DATEV-Preisliste berechnet DATEV 1,30 Euro pro Bankverbindung pro Monat. Bankseitige Gebühren variieren je nach Institut und lassen sich vorab beim Kundenbetreuer erfragen.
Praxistipp: Reichen Sie alle Teilnahmeerklärungen gleichzeitig ein. Wer die Formulare gestaffelt verschickt, wartet am Ende auf die langsamste Bank und verzögert den gesamten Prozess.
Wer zum Beispiel im Januar die Erklärungen für alle vier Konten einreicht, sollte vorab bei jeder Bank das korrekte Formular anfragen. Drei Banken akzeptieren häufig das Standard-DATEV-Formular, einzelne Institute wie Sparkassen verlangen jedoch eine eigene Version. Wer das nicht vorab klärt, riskiert unnötige Verzögerungen von zwei Wochen oder mehr.
Schritt 4: Kontoumsätze abrufen und Buchungsvorschläge nutzen
Sobald die Bank die Teilnahmeerklärung verarbeitet hat, ruft DATEV die Kontoumsätze automatisch ab, je nach Konfiguration täglich oder in kürzeren Intervallen. Die Umsätze erscheinen im KAM mit Buchungsvorschlägen nach einem Ampelsystem:
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Mit jeder manuellen Korrektur lernt das System dazu und wendet Zuordnungen auf zukünftige Umsätze mit demselben Geschäftspartner oder Verwendungszweck an. Für regelmäßige Zahlungen wie Miete, Versicherungsprämien oder Leasingraten lohnt es sich, Buchungsregeln anzulegen. Diese weisen wiederkehrende Buchungen automatisch dem richtigen Sachkonto, der Kostenstelle und dem Mehrwertsteuer-Satz zu. Wer die Rechnungsverwaltung automatisieren möchte, findet in Buchungsregeln den ersten Hebel.
Der KAM deckt jedoch nur Bankumsätze ab. Ausgabenbelege, Kreditkartenabrechnungen und Rechnungsfreigaben fließen nicht über diesen Kanal. Genau hier ergänzt die DATEV-Integration von Spendesk den KAM: Während der KAM die Bankumsätze automatisiert, überträgt Spendesk Ausgabenbelege, Kontierung und MwSt-Daten direkt in DATEV Unternehmen Online.
Ein Finanzteam, das beide Systeme parallel nutzt, eliminiert die manuelle Erfassung sowohl bei Bankbewegungen als auch bei Unternehmensausgaben.
Schritt 5: Häufige Einrichtungsfehler vermeiden und System optimieren
Vier Fehler treten bei der KAM-Einrichtung besonders häufig auf:
Bankverbindung ohne korrektes Sachkonto: Wenn IBAN und Sachkonto nicht zusammenpassen, landen Umsätze in der falschen Buchungsgruppe. Die Korrektur erfordert eine nachträgliche Umbuchung aller betroffenen Perioden.
Teilnahmeerklärung nur für das Hauptkonto: Nebenkonten wie das Kreditkarten-Verrechnungskonto oder das Rücklagenkonto werden häufig vergessen. Ohne Teilnahmeerklärung ruft DATEV dort keine Umsätze ab.
Kontenrahmen-Wechsel nach KAM-Aktivierung: Ein nachträglicher Wechsel von SKR03 auf SKR04 macht bestehende Buchungsvorschläge und Regeln ungültig. Der Kontenrahmen sollte verbindlich vor der Aktivierung festgelegt werden.
camt.053-Format-Umstellung nicht beachtet: Seit November 2025 stellen viele Banken von MT940 auf camt.053 um. Wer diese Umstellung bei der eigenen Bank nicht aktiv beantragt, erhält nach dem Stichtag keine Kontoauszüge mehr über den KAM.
Empfohlener Ansatz: Starten Sie mit einem einzelnen Bankkonto als Testlauf. Erst wenn Abruf, Buchungsvorschläge und Sachkonto-Zuordnung fehlerfrei funktionieren, schalten Sie die weiteren Konten frei.
Wer den KAM für alle Konten gleichzeitig aktiviert, riskiert, dass ausgerechnet ein Institut eine separate camt.053-Umstellung verlangt und der Abruf dort wochenlang scheitert, während die anderen Konten bereits Umsätze liefern. Der gestaffelte Ansatz begrenzt dieses Risiko auf ein einzelnes Konto.
Über den KAM hinaus: den gesamten Buchungsexport automatisieren
Der KAM löst das Problem der manuellen Kontoauszugsverarbeitung zuverlässig. Doch Finanzteams verarbeiten weit mehr als Bankumsätze: Eingangsrechnungen, Reisekosten, Kreditkartenabrechnungen und Spesenabrechnungen erfordern ebenfalls den Transfer in DATEV Unternehmen Online. Für die GoBD müssen alle Belege revisionssicher archiviert und zehn Jahre aufbewahrt werden.
Diese Lücke zwischen automatisierten Bankumsätzen und manuell erfassten Unternehmensausgaben schließt Spendesk mit seiner nativen DATEV-Integration: Die Plattform synchronisiert jede Kartenzahlung, jede freigegebene Rechnung und jede Spesenabrechnung automatisch mit Beleg, Sachkonto, Kostenstelle und MwSt direkt in DATEV Unternehmen Online.
Die GoBD-konforme Archivierung und zehnjährige Aufbewahrung der Belege übernimmt das System automatisch.
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